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SVB Gläser Sachverständigenbüro
Ratgeber · Feuchte & Schimmel

Was ist Schimmel und wie entsteht er?

Schimmel klingt nach Alarm. Bevor man in Panik gerät, hilft ein Blick auf die Fakten: Schimmelpilze und ihre Sporen sind überall – das ist ganz normal. Zum Problem werden sie erst, wenn sie dauerhaft Feuchtigkeit finden. Wer das versteht, reagiert ruhiger und richtiger.

Marcel Gläser, M.Sc.Bau-Sachverständiger26.06.2026ca. 6 Min. Lesezeit Aktualisiert Juni 2026
Auf einen Blick
  • Schimmel ist ein Pilz; seine Sporen sind überall in der Luft – das ist normal.
  • Ein Befall entsteht nur bei dauerhafter Feuchtigkeit – sie ist der eigentliche Hebel, nicht die Sporen.
  • Eine Wohnung lässt sich nicht sporenfrei machen, wohl aber befallsfrei – über Feuchtekontrolle.
  • Sichtbarer Befall ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Signal: Irgendwo ist es zu feucht.
  • Kritisch wird es bei Fläche, Tiefe, Wiederkehr, verdecktem Befall oder Risikogruppen – dann ist ein Gutachter sinnvoll.

Was ist Schimmel eigentlich?

Schimmel ist ein mikroskopisch kleiner Pilz. Er vermehrt sich über Sporen, die durch die Luft schweben, und bildet bei passenden Bedingungen ein feines Geflecht (Myzel), das wir als Flecken oder pelzige Beläge sehen – schwarz, grün, grau oder weiß. Oft kündigt sich Schimmel schon vorher an: durch einen modrigen, erdigen Geruch, der von seinen Stoffwechselprodukten stammt.

„Schimmel ist überall" – und das ist normal

Schimmelsporen sind ein natürlicher Bestandteil der Luft, draußen wie drinnen. In geringer Konzentration sind sie völlig normal und gehören zu unserer Umwelt. Man kann eine Wohnung deshalb gar nicht „sporenfrei" machen – und das muss man auch nicht. Das Ziel ist nie null Sporen, sondern: kein Nährboden und keine Dauerfeuchte, auf der Schimmel wachsen kann.

Wie entsteht ein Befall?

Damit aus harmlosen Sporen ein sichtbarer Befall wird, müssen vier Dinge zusammenkommen:

  • Feuchtigkeit – die entscheidende Zutat. Ohne sie passiert nichts.
  • Nährstoff – und davon gibt es im Haus reichlich: Tapete, Kleister, Staub, Gipskarton, Holz, sogar dünne Schmutzschichten.
  • Temperatur – normale Raumtemperatur ist für die meisten Schimmelarten ideal.
  • Zeit – auf feuchtem, nährstoffreichem Untergrund genügen oft schon wenige Tage.

Nährstoff, Wärme und Zeit sind in jeder Wohnung gegeben. Der einzige Faktor, den man wirklich steuern kann, ist die Feuchtigkeit. Deshalb dreht sich bei Schimmel alles um die Frage: Woher kommt das Wasser?

Woher kommt die Feuchtigkeit?

Im Wesentlichen aus zwei Quellen – oft einer Kombination:

  • Bauliche Ursachen: Wärmebrücken, an denen sich Tauwasser bildet, undichte Stellen und Leckagen, aufsteigende Feuchte oder Restfeuchte aus dem Bau.
  • Nutzung: Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und Atemluft bringen Feuchtigkeit in den Raum – wird zu wenig geheizt und gelüftet, schlägt sie sich nieder.

Welche dieser Ursachen im Einzelfall überwiegt, sieht man dem Fleck an der Wand nicht an. Genau das ist die zentrale Frage – mehr dazu auf der Seite Feuchte & Schimmel und im Ratgeber Mieter oder Vermieter?.

Wo liegt die Grenze – wann wird Schimmel kritisch?

Nicht jeder kleine Fleck ist gleich ein Notfall. Aber es gibt Anzeichen, ab denen man Schimmel ernst nehmen und klären sollte, statt ihn nur wegzuwischen:

Eher unkritisch

  • Kleiner, oberflächlicher Fleck (deutlich unter 0,5 m²)
  • Klare, harmlose Ursache (z. B. einmal vergessenes Lüften)
  • Auf glatter Fläche, ohne Geruch
  • Kehrt nach Reinigung nicht zurück

Ernst nehmen / klären lassen

  • Fläche größer als ca. 0,5 m² oder mehrere Stellen
  • Tiefer, struktureller Befall (Putz, Dämmung, Konstruktion)
  • Wiederkehrend trotz Reinigung
  • Nach einem Wasserschaden
  • Modriger Geruch ohne sichtbare Stelle (verdeckter Befall)
  • Empfindliche Bewohner: Säuglinge, Allergiker, Immungeschwächte

Ob Schimmel gesundheitlich gefährlich ist, hängt von Art, Menge und der Empfindlichkeit der Bewohner ab – das kann nur ein Arzt beurteilen. Die bautechnische Seite – wie groß das Problem wirklich ist und woher es kommt – ist meine Aufgabe.

Und dann? Wann ein Gutachter hilft

Sobald Sie in der rechten Spalte landen, lohnt sich eine fachliche Klärung. Ein Gutachten ist sinnvoll, wenn die Ursache unklar ist, das Ausmaß nicht sichtbar ist, der Schimmel wiederkehrt, nach einem Wasserschaden auftritt oder wenn es Streit gibt – mit dem Vermieter, der Versicherung oder nach einem Hauskauf.

Was ich dann mache: Ich kläre unabhängig die Ursache und das tatsächliche Ausmaß – mit Materialfeuchte-Messung, Thermografie zur Ortung von Wärmebrücken und, bei Verdacht auf verdeckten Befall, weiterführender Diagnostik. Sie bekommen eine neutrale Beurteilung und einen klaren Handlungsleitfaden: was zu tun ist, in welcher Reihenfolge, und wie Sie einmal richtig statt dreimal vergeblich sanieren.

Hinweis zur Gesundheit: Ob Schimmel Beschwerden verursacht, klärt ein Arzt. Ich bewerte das Gebäude – Ursache, Ausmaß und den Weg zur dauerhaften Lösung. Bei größerem Befall beschreibt die Seite Sanierungsrahmen, wie eine fachgerechte Sanierung abläuft.

Häufige Fragen

Ist jeder Schimmel gefährlich?

Nicht jeder kleine Fleck ist eine Gefahr. Wie ein Befall gesundheitlich zu bewerten ist, hängt von Art, Menge und der Empfindlichkeit der Bewohner ab – das beurteilt ein Arzt. Bautechnisch gilt: Sichtbarer Befall ist ein Signal für ein Feuchteproblem, das man klären sollte, statt es zu überstreichen.

Kann man eine Wohnung komplett schimmelfrei machen?

Sporenfrei nicht – Schimmelsporen sind ein natürlicher Teil der Luft, drinnen wie draußen. Befallsfrei aber schon: indem man dauerhafte Feuchtigkeit vermeidet. Ohne Feuchte findet Schimmel keinen Nährboden und wächst nicht.

Ab wann sollte ich einen Fachmann hinzuziehen?

Wenn die Fläche größer als etwa 0,5 m² ist, der Befall tief sitzt oder wiederkehrt, nach einem Wasserschaden auftritt, es modrig riecht ohne sichtbare Stelle, oder wenn empfindliche Personen im Haushalt leben. Auch bei unklarer Ursache oder Streit (Miete, Versicherung, Kauf) schafft ein Gutachten Klarheit.

Riecht man Schimmel, auch wenn man ihn nicht sieht?

Ja. Schimmel gibt typische Stoffwechselprodukte ab, die einen modrigen, erdigen Geruch verursachen. Riecht es muffig, ohne dass etwas zu sehen ist, kann ein verdeckter Befall dahinterstecken – etwa hinter Möbeln, unter dem Bodenbelag oder in der Konstruktion.

Schimmel richtig einordnen lassen

Unsicher, ob Ihr Fall harmlos ist oder geklärt werden sollte? Schicken Sie mir ein Foto und eine kurze Schilderung – Sie bekommen eine ehrliche erste Einordnung.

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Marcel Gläser, Bau-Sachverständiger aus Leipzig
Über den Autor

Marcel Gläser, M.Sc.

Bau-Sachverständiger mit über 15 Jahren Praxis als Bauträger – Planung, Ausführung und als Bauherr aus eigener Erfahrung. TÜV-zertifiziert und BVSV-Bau-Sachverständiger für Versicherungsschäden am Bau. Tätig in Leipzig, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

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